Vereinsheim, 2019
Preis für BDA Oberbayern
Es ist ein Elend. Der Olympiapark mit seiner kongenialen Zeltdachkonstruktion von Frei Otto mag Aushängeschild der Stadt München sein, zeigte die lsarmetropole hier doch mal, wie hochmodern und gleichzeitig optimistisch der Zukunft zugewandt sie ist. Doch das ist lange her. Denn auch wenn manche Olympiagebäude saniert werden, ein bewusster Umgang mit diesem für die Stadt so wichtigen Ort fehlt bis heute. Da gibt es hier ein Event, das hässliche Buden und temporäre Scheußlichkeiten nach sich zieht, dann dort einen Werbeträger, der sich die Ikone zu eigen machen darf.
Exakt die gleiche investorengetriebene Haltung erkennt man am nördlichen Ende des emblegeschützten Olympiageländes, wo ein Quartier entsteht, das überall entstehen könnte, so lieblos, anonym und trist präsentieren sich dort seine überwiegenden Hotel- und Büroklötze.
Und genau deswegen ist das Vereinsgebäude Olympiapark so bemerkenswert. Das Gebäude mag nicht groß sein, es trumpft auch gar nicht auf mit spektakulären Gesten oder sonstigen Schaumschlägereien. Vielmehr besticht es mit seiner radikalen Klarheit, die in ihrer feinen Geometrie durchaus den Trumpf der hohen Baukunst zieht: ein Kunstwerk zu sein, das benutzt werden kann. In diesem Fall: wo man übt, trainiert, zusammen ist und spielt, wo man sich freut, zittert und leidet, kurz: wo die Leidenschaften des Sports auf ein architektonisches Gegenüber treffen, das sie ernst nimmt, ohne sie übertrumpfen zu wollen. Frei Otto hätte vermutlich seine Freude daran.
Laura Weißmüller (Jurymitglied)
Das Vereinsheim an der Moosacher Strasse befindet sich am nördlichen Ende des Olympiaparks. Vereinsinterner Bedarf und eine angrenzende Quartiersentwicklung machen eine Neuinterpretation der Situation erforderlich. Das Gebäude wird in modularer Bauweise errichtet. Durch die Gliederung des Baukörpers werden vorhandene Bewegungen von Strasse und Spielfeld rhythmisiert und in die Landschaft aufgenommen. Es entsteht ein ästhetisches Moment des Seriellen:
Wiederholen, üben, trainieren um vorbereitet zu sein für das nächste Spiel. Auf dem denkmalgeschützten Ensemble des Münchener Olympiageländes wurden die Bestandsbauten mit Umkleide-, Dusch- und Sanitärräume durch einen Neubau mit zusätzlichen Lagerflächen ersetzt. Die Maßnahme wurde einschließlich der Freisportanlagen auf Basis des Sportbauprogramms der LH München modernisiert, um eine Anpassung an aktuelle baufachliche und sportfachliche Erfordernisse zu erreichen. Der langgestreckte Baukörper gliedert sich in zwei Bauteile mit folgenden Nutzungsschwerpunkten, den Betriebs-/ Nebennutzungen (Platzpflege, Werkstatt, Außengeräte, Verwaltung, Abstellräume und Sanitäranlagen) einerseits und Vereins-, Umkleidenutzung (Umkleide-, Duschtrakt, Besprechungsraum mit Teeküche) andererseits.
Der Neubau wurde nach den materialökologischen Vorgaben der LH München unter Verwendung klimarelevanter Baustoffe in Holzbauweise erstellt. Der sommerliche Wärmeschutz wurde vor allem durch konstruktive Maßnahmen (Vordachbereich, Fassadentiefe) erreicht. Hinsichtlich der hohen Denkmalschutzanforderungen (ensem- blegeschütztes Olympiagelände München 1972) und der Bewerbung als UNSECO Weltkulturerbe stand der Umgang mit dem “Stadtgrün” (Bepflanzung und Fortführung der Grünstruktur zur Stadtseite, farbige Erscheinung des Gebäudes) im Vordergrund und wurde in Zusammenarbeit mit den Denkmalämtern der Stadt München und Bayern erarbeitet.
Andy Schön as managing partner @ AWWSCZ